Größte Estavelle der Alpen

Thomas Müller, Toni Berchtold, Dr. Nico Goldscheider und Karl Keßler.

Ein spannendes Thema, das sich mit der Geohydrologie des Schwarzwassertals beschäftigte, bot die zweite BRÜÜGE-Veranstaltung im Walserhaus. Mit Prof. Dr. Nico Goldscheider holten sie die Organisatoren einen Fachmann für Gesteins- und Grundwasserfragen ins Tal. Goldscheider selbst kennt das Gebiet südlich und nördlich des Schwarzwasserbachs quasi wie seine eigene Westentasche. Denn in mehreren Untersuchungen hat er sich die dortigen Wasserläufe genau unter die Lupe genommen. Viele erinnern sich noch an die Färbeversuche, die er mit zahlreichen einheimischen Helfern 1996 durchgeführt hat. Eines der wohl spektakulärsten Ergebnisse: Der Schwarzwasserbach verläuft sowohl oberirdisch als auch unterirdisch. Es gibt also unterhalb der bekannten Oberfläche ein weit verzweigtes wasserführendes System. Goldscheider wurde im Rahmen seiner intensiven Untersuchungen zum Entdecker der Estavelle oberhalb des Sportplatzgeländes Hirschegg/Au. Er konnte nachweisen, dass die an dieser Stelle befindliche Schwarzwasserhöhle sowohl Wasser „schluckt“ als auch „ausspuckt“.  Wie er meint, ist die hydrogeologisch bedeutsame Stelle am Schwarzwasserbach die „größte bekannte Estavelle der Alpen“. Und das mache sie zweifellos zu einem der „Naturwunder des Kleinwalsertals“. Eine weiter Besonderheit des Schwarzwassertals: Dessen „asymmetrische Geologie“. Zwei Talseiten weisen zwei verschiedene Gesteinszonen aus. Nördlich des Tals versickern Gewässe durch den Schrattenkalk und fließen unterirdisch ab. Südlich des Schwarzwassertals ist es die Flyschzone, die mit ihren begrünten Flächen Wasser oberirdisch in den Schwarzwasserbach ableitet.

Alle Hauptgesteinszonen der Alpen im Kleinwalsertal

Die laut Goldscheider absolute Besonderheit: Helvetikum, Penninikum und das Ostalpin – alle drei Hauptbauteile der Gesteinszonen der Alpen sind im Kleinwalsertal zu finden. Eine Folge der Auswirkungen der Plattentektonik, dem Verschieben größerer und kleinerer Erdplatten und dem damit verbundenen Aufbäumen der Gebirge. So zählt der mächtige Widderstein zum Ostalpin, der Ifen zum Helvetikum und das Gebiet des Walmendingerhorns zum Penninikum. Daraus resultierend die Gesteinsarten: Der Hauptdolomit am Widderstein, der Schrattenkalk am Ifen und dem Gottesacker sowie Sandstein und Mergel am Walmendingerhorn.

BRÜÜGE-Forstsetzung im Herbst

Die Brüügeaner Karl Keßler, Thomas Müller und Toni Berchtold warteten mit dem Geologie-Abend mit einer wahrlich interessanten BRÜÜGE auf. Weiter geht es im Herbst. Mit den Themen „Alpwesen im Kleinwalsertal“ und „Walser Dialekt“. - ös -